• Da steh’ ich drauf!

Da steh’ ich drauf!

29.08.2019 AGNES ZAVALA, Journalistin, Zürich

Bodenbeläge – Je nach Vorliebe, Raum und Nutzungsbelastung kommen verschiedene Materialien zur Auskleidung der Wohngrundfläche infrage. Welche Vor- und Nachteile bieten sie, und mit welchem Pflegeaufwand muss man rechnen?

Durch ihre verschiedenen Eigenschaften haben sie einen grossen Einfluss auf die Ambiance eines Raums: die Fussbodenbeläge. Bei der Wahl der geeigneten Variante geht es darum, «die Bühne des Lebens für viele Jahre zu bekleiden », wie es Kim Arbenz, Art Director Marketing von Bauwerk Parkett ausdrückt. Es lohnt sich daher, zuerst einige grundlegende Punkte zu klären, bevor man sich auf ein Material festlegt.

Bewohner und Beanspruchung

«Beim Auslesen eines Bodenbelags stehen an erster Stelle die Bedürfnisse der Bewohner», sagt Stephan André Flisch, CSO und Mitglied der Geschäftsleitung bei Belcolor AG Flooring. Gibt es persönliche Vorlieben, oder welche Farbe passt zur restlichen Einrichtung? Will man ein bestimmtes Wohngefühl erzeugen? Hier spielen vor allem optische und haptische Kriterien eine Rolle. Eine weitere zentrale Frage ist diejenige nach dem Benutzungszweck und damit verbunden dem Ausmass der Bodenbeanspruchung. Gibt es schwere Möbel? Benutzt jemand eine Gehhilfe? Leben dort Kinder oder Haustiere?

Ebenso muss man in Betracht ziehen, welche Beschaffenheit der Untergrund hat und ob zusätzliche Anforderungen wie eine Bodenheizung berücksichtigt werden müssen. Auch die Platzverhältnisse und die zur Verfügung stehende Höhe, die ein Belag einnehmen darf, sind entscheidende Faktoren. Des Weiteren ist der Betrag entscheidend, den man auszugeben bereit ist. Hier ist empfehlenswert, auch den Zeitraum zu berücksichtigen, über den die Beschichtung halten soll. Vielleicht lohnt es sich, einen qualitativ hochstehenden Belag zu wählen, der dafür eine lange Lebensdauer hat – oder eben genau das Gegenteil.

Nicht zuletzt muss man sich überlegen: Wie gross ist der Arbeits- und Kostenaufwand für Pflege und Unterhalt? Hat man diese grundlegenden Aspekte geklärt, kann man sich den konkreten Materialien für Bodenbeläge widmen.

Parkett – der Klassiker

Der Bodenbelag aus Echtholz ist zurzeit die wohl am häufigsten gewählte Variante. Das Material ist zeitlos schön, angenehm fusswarm und schafft eine gemütliche, edle Atmosphäre. Es punktet auch bezüglich Individualität. «Weil der Rohstoff in der Natur wächst, ist jede Diele einzigartig. Dazu kommt, dass man verschiedene Formate und Verlegerichtungen zur Verfügung hat», führt Kim Arbenz aus. Dank der vielfältigen Bearbeitungsmöglichkeiten inklusive Färbung findet sich für jede Vorliebe eine passende Lösung. Je nach Holzart und Ausführung variieren die Kosten, aber grundsätzlich sind fast alle Preiskategorien erhältlich.

Da Holz wärmedurchlässig ist, eignet es sich gut als Beschichtung über einer Fussbodenheizung. Dazu ist allerdings eine gewisse Höhe nötig, die der Belag einnehmen darf. Parkett eignet sich für alle Räume, auch für solche, die eine erhöhte Belastung durch Feuchtigkeit aufweisen. Dort sind die richtige Oberflächenbehandlung und Fugenabdichtung ausschlaggebend – dennoch sollten Wasser- oder Schmutzflecken möglichst schnell aufgewischt werden.

Grundsätzlich wird unterschieden zwischen geölten und versiegelten Ausführungen. Erstere lassen das Holz weiter atmen, Letztere schliessen die Oberfläche. Unabhängig von der Variante ist eine fachmännische Erst- und eine regelmässige Unterhaltspflege beispielsweise durch Nachölen unabdingbar. Richtig gepflegt kann ein Parkett Generationen überdauern. Aber natürlich hinterlassen Bewohner und Einrichtungsgegenstände Spuren im Holz, die nur bis zu einem gewissen Grad ausgebessert werden können. Jedes Parkett ist ein Unikat, das durch die Nutzung immer intensiver die Geschichte des Heims erzählt.

Laminat – der Allrounder

Dieser Alleskönner bietet ein hohes Mass an Individualität. Das Holzimitat gibt es in zahlreichen naturgetreuen Designs und praktischen Panels in verschiedenen Grössen. Da es aus einer preiswerten Unterschicht aus Holzfasern und einer dünnen Dekorfolie besteht, ist diese Variante erschwinglicher als ein Echtholzboden. Allerdings ist Laminat ein schlechterer Wärmeleiter als Parkett und verfügt über eine kürzere Lebensdauer und eine geringere Trittschalldämmung. Dafür ist es weniger lichtempfindlich.

Kunststoffböden wie Laminat oder Vinyl (Bild unten) sind praktisch, robust – und durchaus in Bio-Qualität zu haben! BILD BELCOLOR AG FLOORING

Laminat zeichnet sich durch einen hohen Robustheitsgrad aus, der in sogenannten Nutzungsklassen von 21 für geringe bis 33 für intensive Belastung angegeben wird. Mit dieser Fussbodenausführung lebt es sich recht sorglos: Sei es im Kinderzimmer, im Ess- oder im Wohnbereich – Laminat hält dank seiner kratz-, druck- und abriebfesten Eigenschaften problemlos (fast) allem stand. Dank seiner Wasserfestigkeit eignet es sich auch für stark beanspruchte Böden und ist äusserst pflegeleicht.

Vinyl – der Praktische

«Kunststoffbeläge sind der Dauerbrenner, da sie einfach handhabbar und kostengünstig sind und sich ausserdem vielseitig einsetzen lassen», weiss Joël Moser von Bauhaus Fachcentren AG. Sie eignen sich grundsätzlich für jeden Raum, nicht zuletzt dank ihrer geringen Aufbauhöhe.

Da Vinyl sehr robust und wasserresistent ist, kommt er besonders gern in Nasszellen oder halbgeschlossenen Aussenbereichen wie Loggias zum Einsatz. Durch die Elastizität lassen sich die Beläge gut gestalten. Genauso leicht ist die Reinigung: einfach feucht aufnehmen – und fertig! Die grosse Farb- und Musterpalette lässt dabei für jeden Designanspruch etwas Passendes finden. Es gibt auch Varianten, die sich optisch kaum von Laminat unterscheiden. Im Unterschied dazu weisen sie aber eine bessere Schallisolation auf.

BILD BELCOLOR AG FLOORING

Kork – der Hingucker

Wer auf der Suche nach einer besonderen Optik ist, kann sich für Kork entscheiden. Dieses natürliche Material schafft ein modernes, gemütliches Ambiente und verleiht dem Raum auf jeden Fall das gewisse Etwas. «Für Kork sprechen ausserdem der gute Trittschallwert sowie die warme und weiche Haptik», sagt Stephan André Flisch. Zudem ist das Laufen auf Kork gelenkschonend. Kork bietet sich an für Räume, in denen man gerne barfuss läuft oder auf dem Boden liegt. Er ist antistatisch und dadurch kein Staubfänger, was ihn bei Allergikern und Asthmatikern beliebt macht. Die aus ergonomischer Sicht geschätzte Biegsamkeit hat allerdings auch eine negative Seite: Schwere Möbel, Kinderspielzeug oder Katzenkrallen können durchaus Abdrücke hinterlassen …

Ein Korkboden ist äusserst pflegeleicht. Die Reinigung erfolgt durch gelegentliches Wischen oder Staubsaugen sowie feuchtes Aufnehmen der versiegelten Oberfläche. Für dieses Material spricht auch, dass es rutschfest und isolierend ist – allerdings eignet es sich nur begrenzt für die Installation über einer Fussbodenheizung. Auch sonst ist das Einsatzgebiet begrenzt, da Kork nicht in Nasszonen wie Bad oder Küche verwendet werden sollte.

Eine Investition für die Zukunft

Joël Moser verweist auf den gesundheitlichen und ökologischen Aspekt: «In gewissen Bodenbelägen können sich Formaldehyd oder Weichmacher verstecken. Darauf sollte man beim Kauf unbedingt achten, denn es gibt durchaus Varianten ohne potenzielle Schadstoffe.» Auch die Wiederverwertbarkeit kann als Auswahlfaktor eine Rolle spielen. So will man vielleicht einen Belag, den man immer wieder in neuen Mustern verlegen kann. Diesbezüglich punktet auch das Parkett. Entscheidet man sich nämlich für eine mindestens 2,5 Millimeter dicke Nutzschicht, kann der Boden abgeschliffen werden. 

Nachhaltiges Material ist zunehmend gefragt. Also solches, das aus nachwachsenden Rohstoffen wie dem aus Baumrinde gewonnenen Kork gewonnen wird oder aus Holz. Der Umweltgedanke ist auch für Kim Arbenz ein wichtiges Kriterium: «Verwendet man für einen Parkettboden eine Eiche, die erst dann gefällt wird, wenn sie sowieso absterben würde, schenkt man ihr quasi ein zweites Leben. Und den Eigentümern eine emissionsfreie Wohngrundlage, die zu einer gesunden Luftqualität in den eigenen vier Wänden beiträgt.»

PFLEGETIPPS VOM EXPERTEN

Joël Moser von Bauhaus Fachcentren AG empfiehlt für die Bodenreinigung:

• Unbedingt die Pflegehinweise des Herstellers beachten und nur geeignete Produkte verwenden.

• Bei allen Fussböden gilt, die Nassreinigung nur nebelfeucht durchzuführen.

• Das Wasser sollte kalt sein. Die meisten Allzweckreiniger enthalten Alkohol, der bei Wärme verdampft und somit seine Reinigungskraft verliert.


WEITERE INFOS

Weitere Informationen zu den genannten Herstellern finden Sie online unter: